20 Jahre Scarecrow NWA (Alex Dunkl, Juli 2015)

Hi, 20 Jahre SCARECROW NWA und ich darf Leadgitarrist und Mastermind Alex Dunkl zum 1. Mal in der Rolle des Interviewers recht herzlich als Gesprächspartner begrüßen! Alex, danke für deine Zeit. Wie geht’s dir/euch 20 Jahre nach der Gründung?

Hallo und danke für euer Interesse. In 20 Jahren tut sich viel, aber es geht uns eigentlich ausgezeichnet, wir sind motiviert, schreiben neue Songs und freuen uns des Lebens. Was will man mehr.

Du hast neue Songs erwähnt, in welche Richtung geht es diesmal? Bleibt ihr eurem Stil treu oder kommen neue Einflüsse hinzu?

Ja natürlich, wir sind fleißig am Schreiben. Unserem Stil treu bleiben ist vielleicht nicht die 100% korrekte Aussage, ich meine wir entwickeln uns stetig weiter, das hört man auch schon in den ersten fertigen Songs. Es ist etwas dazugekommen, aber man erkennt eindeutig dass es wir sind, so meine ich.

Man hat euch ja in der Vergangenheit immer mal wieder zu lange, zu vertrackte Songs nachgesagt. Wie siehst du das bzw. wie ist eure Entwicklung diesbezüglich?

Ja, das hab ich auch gehört, wobei ich das nicht ganz verstehe. Klar haben wir lange Songs, auf den ersten Veröffentlichungen waren hier auch welche die sicherlich wirr zusammengewürfelt schienen, aber man entwickelt ja auch das Songwriting. Ich persönlich mag lange Songs die nicht immer stupide gleich dahin gehen, sonst werden sie fad. Wir packen viel rein und das beansprucht den Hörer dann natürlich. Dass damit nicht jeder zurechtkommt ist klar, aber so sind wir.

Dir ist also wichtiger einen Song zu schreiben der dich zufriedenstellt und von dem du sagen kannst: „Das bin ich/sind wir“ als zu sehr Mainstream zu sein aber dadurch ein breiteres Publikum zu erreichen?

Ja, das trifft es ziemlich genau. Was hilft es wenn uns das Spielen keine Freude bereitet, nur weil wir gierig auf breite Massen sind? Dann könnt ich gleich Volksmusik spielen, da verdient man noch Geld.

Also siehst du dich noch immer im Underground verwurzelt und der Musik, dem Metal verpflichtet?

Ohne jetzt protzig klingen zu wollen, aber im Underground seh ich mich nicht, eher als semiprofessioneller Musiker mit Hang dazu schwierige Musik zu schreiben. Mit der Musik, dem Metal bin ich verwurzelt, aber das ist schon mehr eine Lebenseinstellung denn eine Verpflichtung.

Du hast ja in 20 Jahren bei SCNWA schon viel erlebt, Gutes wie Schlechtes. Gibt es da noch keine Verschleißerscheinungen nach 20 Jahren Sex, Drugs & Rock’n Roll?

Ohja, das kann man wohl sagen. Da gab es schon viele Höhen und Tiefen, aber Verschleißerscheinungen haben wir noch keine. Natürlich hat sich vieles in all den Jahren geändert, man bedenke, dass das Internet noch in den Kinderschuhen steckte als wir angefangen haben, aber mittlerweile können wir auch damit umgehen…

Lass uns ein wenig in die Vergangenheit abschweifen. Erzähl doch mal den Jungen von heute wie es war, vor 20 Jahren eine Band zu gründen, erste Shows zu organisieren und mehr…

Gerne, es war seinerzeit so, dass man sich getroffen hat, einige Leute bereits kannte die Instrumente besaßen (von bedienen können reden wir nicht…) und man meinte es wäre doch fein eine Band zu gründen. Gesagt getan. Wie schon erwähnt waren wir vom Internetzeitalter noch etwas entfernt, sprich man musste sich durchs Telefonbuch quälen, zu Locations fahren und direkt Konzerte vereinbaren. Das machte durchaus Spaß, hat die Gemeinschaft gefördert und man lernte die Menschen tatsächlich kennen (nicht nur Freundschaftsanfrage beantworten…)

Auch das Publikmachen gestaltete sich aufwendiger als heute. Heute postet man mal schnell eine Veranstaltung, die meisten Leute löschen das gleich, überlesen es, oder man ist sowieso auf der Ignorierliste. Ein Bruchteil der geladenen Gäste kommt dann halt, wenn’s passt.

Damals gingen wir Tagelang plakatieren, haben Flyer verteilt und das Ergebnis war wesentlich besser als heutzutage. Die Leute freuten sich wenn es ein Konzert gab und haben auch keine Mühen gescheut dort hin zu kommen. Wenn ich denke, dass man heute eine Veranstaltung macht die nicht ganz einfach mit Öffis zu erreichen ist, steht man vor leerer Hütte.

Die Leute – jung wie alt – sind meiner Meinung nach einfach zu faul geworden. Alles wird Ihnen zum Arsch herangetragen und dann wird auch noch gemeckert was alles nicht passt. Eine etwas betrübende Richtung die hier eingeschlagen wurde, ohne sagen zu wollen dass früher alles besser war.

Hast du eine Idee wie man dem entgegenwirken könnte? Bzw. hast du und deine Band noch die Motivation für die oben angesprochenen Dinge wie plakatieren und Flyer verteilen? Oder seid ihr auch faul geworden?

Nun man kann nur versuchen die Menschen zu motivieren, damit sie sich von ihren allheiligen virtual devices etwas trennen und raus gehen, an Veranstaltungen teilnehmen und CDs sowie Merchandise kaufen.

Natürlich sind wir im Alter auch bequemer geworden und wägen ab wie sinnvoll es ist Flyer verteilend durch die Stadt zu ziehen. Auch Plakatieren ist ja heutzutage mehr eine Kunst geworden, nämlich die Kunst nicht erwischt zu werden und seine Plakate möglichst lange für die Menschen sichtbar zu haben. Man wird schon sehr beschnitten in dem was man noch tun darf… das hat mit Faulheit nichts zu tun sondern eher mit Selbstschutz, damit man keine Strafen ausfasst.

Metal ist ja eine Musikrichtung die von der Öffentlichkeit immer etwas von der Seite beäugt wird. Der gemeine Metaller wird verbreitet als ungehobelt, ungepflegt und ungebildet empfunden. Vermehrt kommt aber auf, das dem nicht so ist und Metal zieht auch in die Modeindustrie, als quasi Livestyle ein. Wie stehst du zu dieser Entwicklung?

Das ist wohl so, da die gängigen Medien, sei es Fernsehen, Rundfunk oder Printmedien, sich nicht mit Spartenmusik auseinandersetzen. Warum dem so ist weiß ich nicht, aber es wird ja nicht nur metal gemieden, sondern auch Jazz, Blues, Klassik, Reggae… Ich denke es geht jedem nur ums Geld und das kann man sich leichter von einfach denkenden Menschen holen.

Die gemeine Masse hört halt lieber das was ihr vorgesetzt wird (da wären wir wieder bei der Faulheit), kann somit aber nur bedingt was dafür, dass sie keinen Metal hört. Klar kann man sich auch hier schlau machen – wie wären wir sonst zu Metal gekommen.

Auch die Ansicht die das gemeine Volk vom Metaller hat ist durch diese Medien etwas in Verruf geraten, dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Metaller haben ihren eigenen Modestil, sind durchaus gepflegt – man beachte die vielen langen Mähnen der harten Jungs und die müssen gepflegt werden, sonst sollte man sich in Richtung Rasta bewegen, hat natürlich auch seine Berechtigung, aber…

In div. Metalforen wird über outfits, Haar & Bartpflege und vieles mehr gesprochen, diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Da möchte ich mal sehen wie das in den Blasmusikforen gehandhabt wird – wohl gar nicht…

Des Weiteren möchte ich behaupten, dass jemand, der sich mit Musik auseinandersetzt auch gebildet ist, weil sonst reicht ihm ja das um zack, um zack Gedresche von virtuell gestalteten Drums, Bass und Synthies. Dann jubelt man auch DJ’s zu deren Fähigkeit es ist den „Play“ Knopf zu drücken und meint dass man auf einem Konzert ist… unglaublich was in dieser Richtung abgeht, aber sei’s drum. Wir sind ja nicht nur gebildet sondern auch tolerant.

Wie wichtig ist dir und SCNWA die Gestaltung der Bühnenshow bzw. überlegt ihr euch was ihr anzieht (um beim obigen Thema zu bleiben)? Viele Konzertbesucher wollen ja nicht nur akkustisch sondern auch optisch „umgarnt“ werden.

Für uns ist es wichtig eine Einheit als Band zu präsentieren, dazu gehört natürlich das passende Outfit und auch die Überlegungen dazu, was man auf der Bühne macht. Wie gut das dann umgesetzt wird ist von einigen Faktoren abhängig, aber es ist schon ein wesentlicher Bestandteil eines Auftritts. Man will ja in allen Punkten sein Bestes geben.

Und wenn wir schon auf der Bühne sind: Wann wird man euch wieder live erleben dürfen?

Erstmals in neuer Besetzung wird man uns am heurigen Kaltenbach Open Air sehen. Aufgrund unseres 20-jährigen Jubiläums spielen wir eine „special late night show“ die sicher einige Überraschungen mit sich bringt. Weiters sind wir dann im Herbst in Graz, Deutschlandsberg und auch in Wien zugegen, und was noch so dazu kommt wird natürlich wie immer auf unserer website veröffentlicht.

Du sprichst eine neue Besetzung an. Euer Bassist Olsen hat euch ja im vergangenen Herbst verlassen. Ein schwerer Verlust oder sagt ihr „was solls“, wäre nicht das erste Mal, dass ein Besetzungswechsel ins Haus steht.

Ja, der Abgang von Olsen kam überraschend und hat uns schon sehr getroffen. Die vorangegangen Besetzungswechsel waren vorhersehbar, aber in dem Fall waren wir nicht darauf vorbereitet. Jedoch wird man mit der Zeit abgebrühter und sieht die Dinge nicht so eng, bzw. persönlich. Wer nicht will solls sein lassen und unser neuer Mann ist in der Tat eine Bereicherung für uns alle. Wechsel sind immer schwierig, aber wenn man die erste Phase überwunden hat, kann man wieder offen für neues sein. Uns hat in dem Fall der Abgang wesentlich enger zusammengeschweißt und neue Optionen eröffnet, somit bin ich Olsen fast dankbar dass er das Handtuch geworfen hat.

So abgebrüht klingt das gar nicht und die Sache mit dem neuen Bassisten klingt interessant. Wann wird man mehr über ihn erfahren? Ihr haltet euch da ja sehr bedeckt.

Ha, da gibt es schon einiges an Spekulationen, aber ich werde mich hüten es zu verlautbaren. Wir haben beschlossen unseren Neuzugang erst am Kaltenbach vorzustellen, man muss ja interessant bleiben. Einige werden Ihn wahrscheinlich schon kennen, aber sicher nicht damit rechnen dass er nun bei uns spielt. Das treibt die Freude aufs Kaltenbach noch mehr voran.

In 20 Jahren habt ihr sicher einiges erlebt und da kommt man nicht umhin auch ein bisschen über die Vergangenheit zu reden. Was waren deine persönlichen Höhe- und Tiefpunkte in deiner Karriere?

Ja da erlebt man vieles. Höhepunkte waren sicherlich so einige Auftritte mit Bands wie Manowar, Overkill, aber auch Within Temptation vor ausverkauftem Orpheum uvm. – sowas erlebt man selten und das hinterlässt schon einen bleibenden, positiven Eindruck. Auch die CD Aufnahmen, seien sie noch so stressig, mühsam oder was auch immer, waren immer eine schöne Zeit.

Tiefpunkte gab es natürlich auch, vor allem die Umbesetzungen, Neuzugänge und das Einlernen derselben braucht seine Zeit und ist mit dem Abgang meist von Freunden verbunden, sowas trübt die Stimmung. Außerdem mag man es vielleicht nicht glauben wie viele Schwachköpfe in der Musikindustrie was zu sagen haben, sich Musiker, Produzenten, oder auch Promoter, Booker nennen – die sind unzählbar. Hier haben wir leider sehr oft ins Klo gegriffen und den falschen Leuten unser Vertrauen geschenkt. Aber was einen nicht umbringt macht einen nur härter.

Und was wird die Zukunft bringen, wie kann man sich Scarecrow 2.0 vorstellen (oder ist es schon 4.0?)?

Was die Zukunft bringt werden wir sehen. Wir bleiben unserer Linie treu, schreiben neue Lieder, werden relativ sicher weiterhin Alben produzieren und diese live zum Besten geben. Da sollte sich nicht viel ändern.

Da bleibt mir nur noch die für deine Zeit zu danken, euch alles Gute für die nächsten 20 Jahre zu wünschen und dir, Alex, die Schlussworte überlassen:

Danke für euer Interesse, wir freuen uns auf weitere, zahlreiche Shows, hoffen dass wir den ein oder anderen dazu bewegen konnten sich unsere Musik näher zu bringen und vielleicht sieht man sich ja bei einem der nächsten Konzerte.

Auf die nächsten 20 Jahre – Prooost!

 

(Pictures: Anna – Moremetal / Michael Fotos / Amon – Metalfanatics)

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